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  • KULTURKOPF am 13.11.2010: Christina Loock - Grafikerin und Radiomoderatorin


    CHRISTINA LOOCK, GRAFIKERIN UND RADIOMODERATORIN - KULTURKOPF AM 13.11.10

    Mitwirkende
    Gastgeber: Tim Schomacker
    Gast: Christina Loock
    Technik: Johannes Katzenberger
    Redaktion: Kathrin Schäfer
    Foto: Kay Michalak
    Ich will mir nicht alle Schuhe anziehen

    Als der Theaterregisseur Martin Baum im Intensiv-Gespräch bei Bremen vier zu ihr sagte: "Das Stück ist so alt wie ich", gab es einen fast stillen Moment im Äther. Christina Loocks Stimme machte ein knappes Geräusch, sagte dann: "Fällt mir jetzt gar nichts zu ein..." - und lacht dann decrescendierend vom Mikrophon weg. Es geht um die Balance zwischen Persönlichkeit und Medium in solchen Momenten. Wie intensiv bin ich als Ich drin - ohne privat zu werden. Diese Art von Echtheit ist wahrscheinlich der Teil von Gesprächsführung, den man kaum lernen kann.

    Christina Loock kam von knapp zehn Jahren zu Bremen vier. Durch ein Casting. Der mit seinem Publikum älter gewordene Sender brauchte neue Stimmen, Themen, Formen, Ideen. Damals studierte sie an der Hochschule für Künste: Grafikdesign. Im Radio begann sie als Livereporterin, etablierte sich im Programmschema mit der Neugier Richtung Musik, Kunst, Theater. Heute arbeitet sie beides: Als Redakteurin und Moderatorin hier, als Grafikerin und Gestalterin daheim. Was insofern bemerkenswert ist, als - vergleiche die eingangs skizzierte Unmittelbarkeit - die Produktionswege ja nahezu gegensätzliche sind. "Ich wusste erst, dass ich zum Radio wollte, als ich da war. Es gab eine Anzeige, in der so etwas stand wie: ‚Junge, hippe Menschen gesucht, die im Nachtleben unterwegs sind und darüber berichten wollen.' Was das bedeutet, war mir gar nicht so klar. Aber ich wollte das machen. Zum Glück gab es nette Kolleginnen, die uns dann an der Hand genommen haben."

    Selbst wenn sie Essen anrichtet, die richtigen Teller auswählt, folge das manchmal grafischen Gesichtspunkten: "Sushi auf Blümchentellern geht gar nicht." Déformation professionelle merkt man ja manchmal erst in der Küche. Ihre Selbständigkeit mag Christina Loock, weil sie da beide Formen von Gestaltung - die optisch-typografische wie die akustisch-stimmliche - verbinden kann. Und weil sie sie trennen muss. "Ich versuche, nach bestem Gewissen beides unter einen Hut zu bekommen, was mit, glaube ich, auch ganz gut gelingt. Da gehört natürlich viel Koordination dazu, da muss man umdenken, auch mal etwas ruhen lassen. Das muss man ein bisschen üben. Manchmal fragt man sich natürlich auch: Würde ein Beruf nicht auch reichen?" Gemeinsam ist beiden Tätigkeiten, dass man herumkommen muss in der Stadt. "Wenn ich unterwegs bin, empfinde ich das nicht als Chaos, sondern es beruhigt mich, wenn viele Menschen um mich rum stehen." Atmosphäre spielt auch in der Berichterstattung eine große Rolle. "Auch bei einem Studiointerview ist mir wichtig, dass man sich vorstellen kann, wie jemand aussieht, wie jemand reagiert auf eine Frage."

    Ein Moment von Ordnung brachte Loocks Diplomarbeit. Die handelte davon, wie man eigentlich Interviews führt, wie man eine Gesprächsebene etabliert. Loock führte, transkribierte und gestaltete eine gute Handvoll Interviews - darunter auch eines mit sich selbst. Es sei ihr unter anderem darum gegangen, zu schauen, wie viel von der Interviewsituation, wie viel vom Gesprächsverlauf sich typografisch erzählen lässt. "Ich wollte den Charakter der Leute, den Duktus, die Atmosphäre nur über Typographie darstellen." Schriftformen, -größen und -verläufe transportieren eine ganze Menge. Auch darum sind sie eine Loock-Leidenschaft. "Man muss sich entscheiden: Arbeite ich mit den Dingen oder stelle ich anderen eine Schrift zur Verfügung." Sie entschied sich für ersteren Weg. Eine gute Schrift müsse leicht leserlich und schnell erkennbar sein; es sei denn, man möchte dekorieren."

    An der Verbindung ihrer Arbeitswelten merke sie auch, wie eng Bremen beisammen liegt. "Auch wenn das eine mit den Augen, das andere eher mit den Ohren zu tun hat, trifft man hier ja oft die selben Leute wieder." Unter anderem darum lässt sie die Hansestadt, in die sie mit 12 Jahren aus Leipzig kommend zog, nicht los. Kontakte neu aufzubauen, ist ja schon ein Kraftakt, wenn man woanders niemanden kennt. Zumal in New York, einer ihrer Traumstädte. Dort hat sie einmal ein Praktikum gemacht in einer Agentur, die italienische Designermode promotete, und in deren Büro auch mal George Clooney am Telefon war. Eine andere Welt. In die und in der unterwegs zu sein das Hiersein gut balanciere.

    Von Bremischen Netzwerken, internationalen Untergrundbahnen, musikalischen Begegnungen, von der Wirkung der Konzentration auf die Grammatik, von favorisierten Schriften und faszinierenden Städten erzählt Christina Loock am 13. November beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Von 11 bis 13 Uhr sitzt sie mit Tim Schomacker zu Tisch. Live zu hören auf UKW Bremen 92,5 (radioweser.tv) oder jederzeit per Stream unter www.kulturkoepfe.de sowie www.weser-kurier.de