JUDITH BUTHMANN, FRÜHERE MR. PRESIDENT-FRONTFRAU UND HEUTIGE ENERGY-MODERATORIN - KULTURKOPF AM 12.02.11

Mitwirkende
Gast: Judith Buthmann
Moderation: Janine Classen
Redaktion: Kathrin Schäfer
Technik: Johannes Katzenberger
Foto: Kay Michalak
Text: Tim Schomacker

Lost in Künstlernamen

"In unserem Garten laufen Rehe herum, neuerdings ist da sogar ein junger Hirsch", sagt Judith Buthmann. Das ist ziemlich genau der Satz, den man nicht erwartet von jemandem, der mit einem der erfolgreichsten Dancefloor-Acts hierzulande zwanzigtausend Tonträger verkauft hat. Andererseits: Was erwartet man da eigentlich? Judith Buthmann tragt eine graue Weste, darüber eine fliederfarbene Strickjacke, würde man vielleicht schreiben, dazu Jeans und einen von einer befreundeten Designerin aus verschiednen Parkas genähten Mantel nebst grünlichem Palästinensertuch. Welche Rolle spielt Mr. President noch in ihrem Leben, also jene Formation, mit der sie bereits mit 14 international tourte und von der sie sich vor ziemlich genau zehn Jahren trennte? "Du fragst mich ja danach", sagt Buthmann, " es spielt also schon noch eine Rolle". Heute ist sie 34, hat Rehe im Garten und arbeitet vor allem als Radiomoderatorin bei "Energy" in Bremen. Ihren früheren Bühnenkampfnamen hat sie behalten: T-Seven. Auch wenn das letzte Projekt, eine Countryspaßpop-Version von Scooters "How Much is the Fish" als "Judy and the Fishtown Cowboys" firmiert. Das Video dazu ist in Schwarz-weiß und in Bremerhaven und Bremen gedreht.

Vieles in ihrem Leben lief gewissermaßen im Schnelldurchlauf. Buthmann bedauert das nicht, trauert dem Glamour ihrer 1990er Jahre aber auch nicht nach. Aber es bleibt eben hängen. "Wenn ich zum Beispiel nach Berlin gehe, ist das - anders als etwa die eigene Schulzeit - nicht vorbei", sagt sie. Und auch, dass ihr manchmal das fehle, was man eine normale Jugend nennen könnte. Die Rehe im Garten, die ein so hübsches Bild abgeben für ihr derzeitiges Leben, haben vielleicht sogar damit was zu tun. Buthmann lebt jetzt "in einem letzten, freistehenden Haus am Ende einer Straße, dahinter nur Wiesen und Wald", in Bremen-Nord. Wieder. Denn in Bremen-Nord ist sie auch aufgewachsen. Wenigstens bis Mr. President. Ein Reitpferd, das im vergangenen Jahr wegen Gebrechlichkeit eingeschläfert werden musste, wurde fast so alt wie sie jetzt ist. Auch so eine Verbindungslinie. "Ich bin ja eigentlich ein Landei", sagt Buthmann.

Nach einigen Jahren bei Bremen Vier moderiert sie heute ein Chart-Format beim Privatsender "Energy Bremen". Sie sei froh, dass es damals nicht das Fernsehen geworden ist, sagt sie. "Natürlich wollte mich Bremen Vier damals auch deswegen haben. Sie haben sich gedacht, mit einiger Prominenz kommt man an andere Prominente anders heran, stellt auch andere Fragen. Das hat ja auch funktioniert." In und mit der Musik könne sie sich nach wie vor ausleben. Der "Energy-Soundcheck" funktioniert aber ganz anders. Da ist sie eine Stimme im Radio. "Natürlich ist es interessant, zu schauen, wie man den Flow eines Senders aufnimmt und trotzdem sein eigenes Ding draus macht", sagt sie, "vor allem finde ich aber reizvoll, nur mit der Stimme so nah bei den Leuten zu sein. Ich habe längere Zeit unsere Morgenshow moderiert, da bist du bei den Menschen gewissermaßen mit im Bad oder in der Küche oder im Schlafzimmer. Da muss man auch schauen, wie man diese Morgenstimmung trifft." Abgesehen von einem Projekt wie genanntem Scooter-Cover, das im Grunde eine in Ton und Tat umgesetzte Bierlaune mit dem Unheilig-Produzenten Oliver Pinelli gewesen sei, mache sie selbst momentan nicht kontinuierlich Musik. "Ich weiß auch gar nicht, ob ich das wirklich noch mal will, mit allem, was dazugehört."

Was dazugehört, habe sie mit 14 natürlich nicht absehen können. "Meine Eltern waren nicht rundweg begeistert", sagt Buthmann, "aber es gibt Kinder, die kannst Du davon auch nicht abhalten, das wussten sie natürlich auch. Du bist da sofort in einer festen Struktur drin - darum fehlt die Jugend eben auch -, heute bin ich durchaus auch froh, dass ich das heil überstanden habe." Buthmann erzählt davon, wie sie Aaron Carter kennen lernte, als der noch keine zehn war. "Er war dabei, wenn sein Bruder Nick mit den Backstreet Boys aufgetreten ist. Mit denen haben wir oft zusammen Konzerte gegeben. Aaron war in kleiner, höflicher, fast schüchterner Junge. Er ist sehr früh dann sehr professionell geworden - und heute tut er mir Leid, wenn ich sehe, wie er vor der Kamera anfängt zu heulen, weil er fürchtet, keinen Erfolg mehr zu haben." Sie selbst hat einen anderen Weg gewählt. Doch auch ihr Ausstieg war nicht leicht. Eher rockorientierte musikalische Interessent wurden ihr aus den Post-President-Projekten gewissermaßen im Lauf der Produktion rausgemischt. "Natürlich ist das dann geflopt." Nach einiger Zeit in Berlin und Hamburg kam Judith Buthmann nach Bremen zurück. Bevor sie wieder nach Bremen-Nord zog, lebte sie im Viertel. "Ich habe im ‚Stilhaus' als Verkäuferin gearbeitet", erzählt sie. "Das war hart, weil genau das passieren musste, was man sich so vorstellt. Die Bild-Zeitung machte einen Artikel. Der war eigentlich weder gemein noch schlecht. Aber dann kamen Leute in den Laden und freuten sich, dass sie dich rumscheuchen können. Wie eine Art Rache dafür, dass Du da mal auf der Bühne gestanden hast. Wie viele Leute freuen sich, wenn Dir mal was richtig Gutes passiert? Selbst im privaten Umfeld sind das nur ganz wenige." Zum Glück keine bremenspezifische Einsicht. "Auch wenn ich nicht mehr im Viertel wohne, mag ich diese Lust auf Mischung, die es hier immer noch gibt. Was man Berlin oder Hamburg nachsagt - Du kannst da rumlaufen, wie Du willst... - hier ist das viel mehr so."

Wo sich Bremen doch noch bessern sollte, wann sie mal gar keine Musik mehr hören kann, ob sie sich als Scout für ihren Sender oder Ratgeberin für den musikalischen Nachwuchs sieht, wo sie am liebsten unterwegs ist in der Nähe und der Ferne und wie sich sich ihre Zukunft vorstellt, davon berichtet Judith Buthmann am 12. Februar beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Von 11 bis 13 Uhr ist sie als Kulturkopf zu Gast. Live zu hören auf UKW Bremen 92,5 (radioweser.tv) oder jederzeit per Stream unter www.weser-kurier.de sowie www.kulturkoepfe.de







  • livestream - Schwankungen
    radioweser.tv UKW 92,5
  • T-Seven im Netz
  • Judith Buthmann bei Energy Bremen



  • KULTURKOPF am 12.02.2011: Judith Buthmann - Frühere MR.PRESIDENT-Frontfrau und heutige Radiomoderatorin