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  • KULTURKOPF am 23.04.2011: Heicke Kück - Direktorin des Zoo am Meer


    DR. HEIKE KÜCK, DIREKTORIN ZOO AM MEER - KULTURKOPF AM 23.04.11

    Mitwirkende
    Gastgeber: Tim Schomacker
    Gast: Heike Kück
    Redaktion: Kathrin Schäfer
    Technik: Johannes Katzenberger
    Foto: Kay Michalak

    Wasser ohne Aquarium

    Als Heike Kück vor zehn Jahren von Bochum aus nach Bremerhaven kam, um dort Zoo-Direktorin zu werden, erzählte sie einer Journalistin, sie werde sich in der neuen Wohnung in jedem Fall ein Aquarium einrichten. Heute gibt es das heimische Aquarium noch nicht, aber es stehe nach wie vor ganz oben auf der Liste. Immerhin beherbergt Kück seit kurzem einen Frosch mittelamerikanischer Provenienz, den es nach Bremerhaven verschlug, weil er versehentlich zusammen mit einer Bananenstaude für den transatlantischen Transport eingeschweißt worden war. Er fühle sich im Glas auf den Fensterbank deutlich wohler, sagt Kück. Diese Froschart ernähre sich nicht von Bananen. Ein Vorstehhund komplettiert das häusliche Tierregister der promovierten Biologin. Tagsüber kommt er mit ins Direktionsbüro am Weserdeich.

    Bremerhaven hat reichlich Schritte unternommen, seit Kück dort lebt. Grundlegender Umbau und Neukonzeption des Ende der 1920er Jahre als "Tiergrotten" gegründeten "Zoo am Meer" sind ein Baustein im Mosaik der infrastrukturellen, ökonomischen und touristischen Runderneuerung des Areals zwischen Fähre und Hafengelände. Auswander- und Klimahaus, Havenwelten und verschieden bespielte Flaniermeter machen die frühere Parkplatzbrache am Deich vergessen. Da passt es durchaus, dass der "Zoo am Meer" die maritime Klammer deutlicher bespielt als es früher der Fall war, mit Wasser- und wassernahen sowie nordischen Tieren als Schwerpunkt. Auf ein Aquarium - wie es einst die Keimzelle war, als Fisch-Schau für wartende Seereisende - muss Heike Kück auch an ihrem Arbeitsplatz verzichten. Zu klein für ein neues ist das Areal, zu kostenintensiv wäre ein Umbau der alten Anlagen.

    Als sie in Münster zu studieren begann, wusste Kück noch nicht, dass es einmal ihre Lieblingsaufgabe sein würde, einen Zoo im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Gemeinsam mit einer Freundin wechselte sie bald nach Bochum, weil die Universität dort zwar modern ausgestattet, aber eben nicht von einem attraktiven Umfeld für studentisches Leben umgeben war. Was unterm Strich bedeutete: Ruhiger und konzentrierter Arbeiten zu können. Statt mit ganzen Eisbären und Pinguinen hatte es Kück allerdings mit einzelnen Zellen und kleinen Zellverbänden zu tun. Das Labordasein der Molekularbiologie sei ihr irgendwann als zu eng erschienen, erzählt sie. Sie fing fast noch einmal von vorne an, arbeitete im Zoo, lernte die Tierpflege. Um zu wissen, was zu tun ist. Dies geschah in einem anderen Lebensabschnitt und mit einer anderen Zielstrebigkeit, als sie es heute bei Bewerberinnen und Bewerbern für Ausbildungsplätze in diesem Beruf oft bemerkt. Was nicht zuletzt mit der TV-Präsenz von Zoos zu tun habe. Diese gehört zwar zum guten Ton zeitgenössischer Außendarstellung, weil derlei Fernsehformate aber auf's Nachmittagsprogramm hin produziert würden, verzerrten sie das Bild der realen Arbeit mit den Tieren - und auch das Bild der Tiere selbst. Dass sie die Sauber- und Niedlichkeit nicht wiederfinden, scheint Bewerber/innen gelegentlich durchaus zu schockieren. Elefantenhaufen, Tiere für die Fütterung vorzubereiten und anderes mehr kommt eben nicht vor.

    Eindrücke, die Kück nicht auf sich und ihrem Zoo sitzen lassen mag. Die Zeiten, da Exotisches möglichst umfangreich gesammelt wurde, sind vorbei. Heute verbinden sich im "Zoo am Meer" Familienangebot und Forschung, und Artenschutz und Pädagogik. Diese Bandbreite verschiedener Aufgaben mit einem kleinen, vertrauten Team erledigen zu können, empfindet Kück als Vorteil. Als Jägerin, Falknerin, Tierpflegerin kennt die in Duisburg geborene und im Sauerland aufgewachsene Kück alle Abteilungen und Anforderungen gut, muss nicht Verwaltungskraft oder Chefin sein.

    Wie Australien ihre Lebensplanungen beeinflusst hat, wo nach zehn Jahren Bremerhaven die westfälische Herkunft geblieben ist, warum es manchmal nicht leicht ist, den richtigen Weg zum Strand zu finden und wann der Zoo mal Pause hat, davon erzählt Heike Kück am 23. April beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Von 11 bis 13 Uhr unterhält sie sich mit Tim Schomacker. Live zu hören auf UKW Bremen 92,5 (radioweser.tv) oder ständig per Stream unter www.kulturkoepfe.de