HOLGER RINK, HÖRSPIELREDAKTEUR - KULTURKOPF AM 10.01.09

Mitwirkende
Moderation: Anja Wedig
Gast: Holger Rink
Der lange Schatten des Wolfgang Overath

Als Holger Rink 1956 an der Unterweser geboren wurde, spielte Wolfgang Overrath bereits drei Jahre bei seinem Heimatverein, dem Siegburger SV 04, Fußball. Doch die Wege der beiden sollten sich kreuzen. Denn Rink zog mit seinen Eltern nach Köln. "Als 13-Jähriger bin ich in einem Kölner Kaufhaus einmal mit Overath zusammengestoßen." Das war ungefähr zu der Zeit, da Rinks größter Wunsch war, Sportreporter zu werden. FC-Fan war er ja bereits. "Ich durfte damals noch nicht ins Stadion, aus Sorge meiner Eltern. Ich habe Radio gehört, Sendungen wie ‚Tore, Punkte, Meisterschaft'. Damals habe ich mich mit dem Radio-Virus infiziert. Die Livereportage ist eine ganz hohe Kunst."

Auch jenseits des Müngersdorfer Stadions war die Kölnifizierung des Hörspielredakteurs erfolgreich. Er hat drei Mal für die Kölner Stadtauswahl gespielt, damals. "Ich liebe die rheinische Sprache. Sprechen kann ich es zwar nicht, aber gut verstehen. Es ist eine Mentalität darin aufgehoben, die ich sehr mag." Deutlichstes Zeichen der Verbundenheit mit der Stadt seiner Jugend dürfte sein, dass Holger Rink jeden Winter dem wenig karnevalistischen Bremen den Rücken kehrt und über die tollen Tage an den Rhein fährt.

An der Weser lebt Rink seit gut 12 Jahren. "Diese Stadt hat es mir nicht schwer gemacht, wenn ich auch zugeben muss, dass ich die Überschaubarkeit anfangs bedrängend fand." Kein Wunder, kam Rink doch aus Berlin. "Die Bundeswehr, zu der ich nicht wollte, hat mich dorthin verschlagen", erzählt er. Er habe "blind drauf los studiert" anfangs - Germanistik, Politik und Publizistik an der FU. Unter Umgehung der Sportberichterstattung bildete sich als Ziel eine Synthese aus literarischer Leidenschaft und radiophonen Interessenlagen. Ins Hörspiel zu gehen, war nur konsequent. "Während meines Studiums habe ich beim RIAS hospitieren dürfen. Auf meinen Abschluss Anfang der 1980er folgte ein Praktikum beim SFB. Als das vorbei war, suchte der Sender einen neuen Regieassistenten. Das habe ich dann gemacht." Es folgten der erste Redakteursaushilfsvertrag, später einige Jahre als freier Regisseur im Netz der ARD.

"Was mir den Start in Bremen leicht gemacht hat, war, dass ich in eine großartig funktionierende Hörspielredaktion kam", sagt er zu seinem Wechsel an die Weser. Seinen Job beschreibt Rink in erster Linie als den eines "Kommunikators und Ermöglichers". Seiner Auffassung des Redakteurspostens wohnt eine bemerkenswerte Ruhe inne. "Ich sitze ja auf Produktionsmitteln. Das muss man, so weit es geht, anderen zur Verfügung stellen. Das ist mein Hauptjob." Dazu gehört neben Studiozeiten und Sprechstimmen auch das genaue Zuhören, das Nachdenklichsein. Den Punkt, an dem sich aus einem ergebnisoffenen Gespräch über ein mögliches Projekt eine Konkretion herausschält, beschreibt Rink als "atmosphärische Wolke, die sich aus ganz verschiedenen Punkten zusammensetzt." Hier ist ein Gespür gefragt, das vor allem auf Erfahrung bauen muss, auf Einschätzung "und eine ganz bestimmte Art von Vertrauen in ein Projekt". Ein Höhepunkt seiner Bremer Dienstjahre dürfte die Dramaturgie beim hansestädtischen Radio-Tatort gewesen sein. Zu den aufwändigsten Produktionen mag die Hörspieladaption von William Gibsons Neuromancer (2003) gehört haben. Doch vielleicht misst sich die berufliche Qualität des in Worpswede lebenden Rink gerade in den unspektakulären Details. Wenn er engagierten Radiophonikern auch die entlegendsten Bereiche der Archive aufschließt - oder einfach nur mit besonnen-kritischem Blick eine gute Idee zu einer besseren macht.

Beinahe wie eine berufliche Metapher kommt Rinks Satz "Ich pflanze und ich baue gerne" daher. Tatsächlich sind damit aber an die 3000 Quadratmeter Garten gemeint, die es zu versorgen gilt - die aber mit Ruhe und Abschaltenkönnen retournieren. Von Worpswede aus fährt Rink ins immer noch fast neue Radio-Bremen-Domizil mit Weserblick. Holger Rinks Bremenblick ist dabei gelegentlich ein nachdenklicher: "Bremen finde ich zum Teil dramatisch klein. Ich wünsche dieser Stadt in politischer Hinsicht ein bisschen weniger Suppentopf und ein bisschen mehr Öffnung" - ohne darum gleich das bescheidene Kind mit dem metropolitanen Bade ausschütten zu wollen, wie es unsere Hansestadt in guter Boderlinermanier ja auch gelegentlich tut.

Wie er zum Frühaufsteher wurde, was an Butterfahrten so schlimm ist, wie er den eigenen Kindern Fairplay beigebracht hat und warum er Nelson Mandela gerne persönlich kennen lernen würde, erklärt Holger Rink am 10. Januar beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Zwischen 11 und 13 Uhr ist er bei Moderatorin Anja Wedig zu Gast. Live zu hören auf UKW 92,5 oder per Stream und Podcast unter www.kulturkoepfe.de. (tsc)









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