MAREN BOCK, GESCHÄFTSFÜHRERIN UND MITBEGRÜNDERIN VON BELLADONNA – KULTURKOPF AM 21.02.09

Mitwirkende
Moderation:Tim Schomacker
Gast: Maren Bock
Unter Brüdern

Die Großmutter sagte zur Mutter: Du fährst nicht hinaus mit dem Segelboot. Also fuhr der Vater allein. Und Maren Bock kam an Land zur Welt. In Flensburg anno 1960. "Also nur fast eine Wassergeburt. Aber die Verbindung zum Wasser ist geblieben." Kurz vor dem Jahreswechsel konnte Maren Bock auf zwanzig Jahre belladonna zurück schauen, jenes eigensinnige und in seiner Art einzige Kultur- und Bildungszentrum für Frauen, das sie Ende der 1980er Jahre mit einigen anderen Frauen in Bremen gegründet hat.

Zehn Jahre zuvor war Bock nach Bremen gekommen. "Ich bin auf eine ganz reaktionäre Schule gegangen, ein naturwissenschaftlich orientiertes Jungsgymnasium." Sie habe eine linken Ruf weg gehabt, habe immer lieber auf ihre großen Brüder gehört statt auf die Lehrer. "Ein bruder studierte damals am Otto-Suhr-Institut in Berlin. Wenn er nach Flensburg kam, haben wir Demos organisiert. Na, er hat die organisiert. Ich war erst Zwölf - aber immer dabei."  Was also lag näher als dem Ruf zu folgen und gleich an eine - zumindest damals und wenigstens von Hörensagen - ‚linke Kaderschmiede' zu gehen. "Ich habe mich nur für Bremen beworben. Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte an eine kleine Uni," sagt Maren Bock. "Da habe ich eine Menge Denkfreiheit erlebt. Dafür bin ich heute noch dankbar." Sie studierte Politikwissenschaften, Germanistik und Erziehungswissenschaften, könnte heute Gymnasialklassen unterrichten. Wenn sie denn wollte. Wollte sie aber nicht. "Ich habe drei Monate ein Praktikum gemacht im Sek II-Bereich in Tenever. Aber das funktionierte nicht für mich. Ich wollte mit freiwilligen Lernern arbeiten."

Ein Eindruck, der in die ersten Konzepte für belladonna münden sollte. Weitere Eindrücke kamen hinzu. Durch das Engagement in der Frauenbewegung, durch Erfahrungen mit Frauenbildung. Einiges ist geblieben: Immer noch arbeitet belladonna an der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Frauen, immer noch wird das Archiv zu frauenpolitischer Medienberichterstattung, eines der größten seiner Art, gepflegt; immer noch müssen sich Maren Bock und ihr Team - wenigstens manchmal - um die selben Fragen kümmern wie damals. Gleichberechtigung in Lohn & Brot, Gleichstellung in Arbeit und Alltag. Aber es sind auch neue Fragen dazu gekommen. Etwa jene nach den frauenpolitischen Veränderungen durch Themenstellung mit Migrationshintergrund. Oder die Frage von Diskussions-, Präsentations- und Protestformen - schlißlich sind viele jüngere Frauen nicht in und mit der autonomen Frauenbewegung aufgewachsen, sondern in der Popkultur. Dass die Form- keine Randfrage ist, war bei einem Jubiläumspodium im November 2008 (siehe unten) zu besichtigen. Und dass sich belladonna zu Beginn des neuen Jahrtausends mit Coaching, Netzwerk und einem eigenen Preis um Gründerinnen und Jungunternehmerinnen kümmert, war Mitte der 1980er Jahre auch nicht unbedingt abzusehen. Auch das hat mit den Denkfreiheiten zu tun, von denen Maren Bock spricht.

Was sie erst hat lernen müssen - mehr oder weniger freiwillig - ist, sich mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Nicht leicht inmitten von so viel Netzwerk und Engagement. Manchmal sammelt sie Freizeit für eine ihrer Reisen an. Die führten sie oft nach Lateinamerika oder ins südliche Afrika. "In den 90ern bin ich, immer wenn ich genug Geld hatte, nach Afrika gefahren. Ich habe sogar einmal für ein halbes Jahr in Südafrika gelebt", sagt sie. Auch um festzustellen, dass der dortige Alltag sich fundamental vom kurzen, urlaubsmäßigen Hineinschauen unterscheidet. "Viele Kontakte sind durch internationale Frauenkonferenzen entstanden, die ich für die Heinrich-Böll-Stiftung besucht habe." Heute ist Bock im Frauenrat der Stiftung aktiv. "Mich hat sehr fasziniert, was Frauen da sio bewegen." Im namibischen Windhoek etwa fand Maren Bock - seinerzeit als Gutachterin für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterwegs - eine Einrichtung, die viele Parallelen zu belladonna aufwies.

Was freiwilliges Lernen fundamental von unfreiwilligem unterscheidet, wie sie das "Afrika-Gen" in sich bemerkt hat, wo sie Denkfreiheiten nachhaltig erlebte und wen sie im Kino zuletzt bewunderte, erzählt Maren Bock am kommenden Sonnabend beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. zwischen 11 und 13 Uhr ist sie als Kulturkopf bei Moderator Tim Schomacker zu Gast. live zu hören auf UKW 92,5 oder per Stream und Podcast unter http://www.kulturkoepfe.de


90 - 40 - 20

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