JANNEKE DE VRIES, KUNSTHISTORIKERIN UND GAK-CHEFIN - KULTURKOPF AM 07.03.09

Mitwirkende
Moderation: Tim Schomacker
Gast: Janneke de Vries
Topfpflanzen bitte geht's spazier'n!

"Da kommen nicht alle immer mit", sagt Janneke de Vries. Damit meint sie nicht die Kunstwerke, die unter ihrer Ägide seit Beginn 2008 in der Gesellschaft für aktuelle Kunst (GAK) auf dem Teerhof zu sehen sind. Sondern den Umstand, dass "ich mich gerne und mit Begeisterung aufrege - aber auch so schnell wieder ab." Nun ist aufrausende Auf- und Abregung nicht ein Charakterzug, der den Menschen im Rheiderland als erstes auf den Kopf zugesagt wird. Dort, im Städtchen Weener, wurde Janneke de Vries 1968 geboren. Von dort aus gesehen, "war Bremen in meiner Kindheit und Jugend das Licht am Horizont, der Inbegriff von Großstadt. Wenn wir schöne Männer angucken wollten, sind wir nach Groningen gefahren." Und für des urbane Feeling eben nach Bremen. "Hamburg war mir schon zu groß, davor hatte ich Angst."

Von allen drei Einschätzungen hat sich die studierte Kunsthistorikerin nach Jahren jenseits des nordwestdeutschen Raumes verabschiedet: "In mir ist mehr Ostfriesisches als ich lange wahrhaben wollte", sagt de Vries. "Das hat viel mit der Landschaft zu tun (gemeinhin flach, Anm. d. Red.) und mit der Art zu reden (gemeinhin wenig, Anm. d. Red.)." In Bremen fühlt sie sich mittlerweile wohl - auch wenn es ein wenig geschrumpft ist. Dafür ist Hamburg immer noch so groß, konnte zu "meinem gefühlten Zuhause" avancieren. Die Distanz habe ihr gut getan. Offenbar auch der Ruf nach Bremen. Denn die GAK gilt an manchem europäischen Kunstort mehr denn am heimischen Weserufer. Trotzdem sagt de Vries: "Ich habe Glück gehabt, da gelandet zu sein, wo ich jetzt bin."

Ein schneller Blick in de Vries' Arbeitsbiographie sagt erst mal: Kunsthistorikerin ist kein allzu eindeutig zu fassendes Betätigungsfeld. Als Kritikerin hat de Vries gearbeitet und als Kuratorin. Sie hat eine Kunstzeitschrift herausgegeben und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an Frankfurter Museen. Weitere Stationen: Hamburg und Marburg. 2007 stand sie erstmals einem Kunstverein vor. In Braunschweig. Nun also Bremen. Nur eines war und wollte sie nie: Galeristin sein. "Ich mag nicht Kunst verkaufen. Besser als in einer Galerie kann ich mich hier vor denen schützen, die die falschen Hände haben für die Kunst." Denn wer Kunst verdient habe, lasse sich eben nicht nur am Geldbeutel messen. Was nicht heißt, dass der Traum, Kunst unbelastet von Geldsorgen, Sponsorensuchbemühungen und kulturpolitischen Strategien präsentieren zu können, sich automatisch einlöst. Ein Stückchen näher ist sie seiner Verwirklichung vielleicht gekommen.

Und hat so ihrer ebenso missgünstigen wie ehemaligen Französischlehrerin ein Schnippchen geschlagen. Die hatte ihrer damaligen Schülerin Janneke nämlich tendenziell überhaupt keinen Lebensweg prophezeit. "Da spielt schon ein bisschen Genugtuung mit, wenn ich über meine Eltern höre, dass sie weiß: aus mir ist doch etwas geworden.

Warum Balkonpflanzen pflanzen entspannend ist, warum sie Nabokovs "Lolita" mal wieder lesen will, warum sie Samtschleifen im Haar nicht ausstehen kann und wie die Bilanz ihres ersten GAK-Jahres ausfällt, erzählt Janneke De Vries am kommenden Sonnabend beim Radiofrühstück in der Schwankhalle. Zwischen 11 und 13 Uhr ist sie bei Moderator Tim Schomacker zu Gast. Live zu hören auf UKW 92,5 oder per Stream und Podcast unter www.kulturkoepfe.de / tsc


TAGWERK 07.06.08 BENNO SCHIRRMEISTER

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